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Beim Thema Bildbearbeitung galt früher immer der Grundsatz, dass nichts besser als ein "Mac" sei. Windows war beim Umgang mit großen Bilddateien schnell an seinen Grenzen und auch instabiler.
Zum Glück sieht heute alles etwas besser aus. Windows ist stabiler und Linux durchaus eine Alternative, wenn auch ohne Photoshop. Ich nutze als Fotograf ausschließlich Linux und fast ausschließlich freie Software. Das erstaunt Kollegen immer etwas, aber genauso bin ich erstaunt, wenn sie mir sagen, dass z.B. beim Export von Rawfotos unter Windows ihr heißgeliebtes Lightroom den ganzen Rechner so stark beansprucht, dass sie noch nicht mal mehr nebenbei eine Webpage aufrufen können.

Offensichtlich fehlen da unter Windows Einstellungen, welche die Performance skalieren und den einzelnen Programmen zuordnen können. Wer mal lesen möchte, wie das unter Linux alles so läuft, für den ist dieser Artikel genau richtig.


Von der grundsätzlichen Konzeption halte ich unixoide Systeme überlegen. Linux oder auch MacOs sind da sicherlich nach wie vor besser geeignet, um hohe Anforderungen an die Hardware und Stabilität zu händeln. Doch wie sieht es nun konkret im Bereich der Rawkonvertierung aus? Schließlich ist das eine der häufigsten Tätigkeiten bei Fotografen. Sie muss schnell, intuitiv und übersichtlich sein.

 

1. Schritt der Fotobearbeitung: Die Fotos müssen auf den Rechner

Aber beginnen wir mal ganz vorn. Zuerst müssen die Fotos mal auf den Rechner gelangen. Dazu verwende ich einen Cardreader mit USB3, der die Fotos sehr flink von Compactflash-Karten oder SD-Karten auf der Festplatte speichert. Solche Kartenlkesegeräte kann man mit USB-Kabel für ca. 15 Euro kaufen oder als Einbaukit in den Rechner integrieren.
Bei vielen Kameras liegen Programme bei, welche das ebenfalls direkt aus der Kamera erledigen. Diese laufen aber unter Windows eh mistens nicht und zweitens hat man weniger Kontrolle über den Kopiervorgang. Selektives Auswählen ist oft nicht so einfach. Ich mag solche Lösungen gar nicht. Als drittes gibt es natürlich auch Programme, die den Import erledigen. Digikam wäre ein solches Beispiel.

Die Fotos sollten dann geschickt gespeichert werden. Ich sortiere die Fotos in Ordner mit Jahreszahlen und in der Ebene darunter nach Monaten. Innerhalb dieser Ordner  speichere ich die Fotos in aussagekraftig benannten Ordner, einmal als raw und einmal als konvertiertes Foto:

 

 

2. Auswahl eines passenden Rawkonvertierers unter Linux

Wenn man nur wenige Fotos als Hobbyfotograf konvertiert, dann reicht sicherlich ein plugin für gimp (ufraw). Das basiert auf dcraw, wie so viele andere Lösungen auch. Mit anderen Worten, die Ergebnisse sind identisch, nur hat man nicht den guten Workflow der großen Lösungen!

Öffnen und Bearbeiten eines Fotos in ufraw

Öffnen und Bearbeiten eines Fotos in ufraw
 

1. Digikam: Digikam importiert auf Wunsch automatisch von externen Speichermedien und liest die Fotos in eine Datenbank ein. das ist sehr praktisch, wenn man seine Fotos mit einer Datenbank verwalten mag. Digikam hat mit Version 2.7 seinen Umgang mit Raws verbessert. Aktuell ist Version 5.5. Ich persönlich mag Digikam nicht so gerne, was an der mangelnden Konfigurierbarkeit der Fenster für zwei Bildschirme liegt. Dazu kommt, dass der Fullscreen nur durch mehrfaches geklicke erreichbar ist. Obernervig bei vielen Fotos.
Gut ist es aber in der Verwaltung von Fotos, dem taggen (auch Geotagging) und der Datenbanksuchfunktion. Für viele Fotografen eines der Vorzeigeprogramme der Opoensource-Welt.

 

2) Rawtherapee: Ursprünglich als Ein-Mann-Projekt gestartet wurde der Code vor einigen Jahren der Open-Source-Gemeinde übergeben. Es hat sich schnell eine feste Gemeinde gebildet und das damals schon gute Tool wurde konsequent weiter ausgebaut und verbessert. Aktuell ist die Version 5.
Dieses Programm ist wirklich klasse. Es hat sehr viele Optionen und Möglichkeiten der Bildmanipulation. In einem Test der Zeitschrift ct hat es alle anderen Software-Lösungen im Rekonstruieren von ausgebrannten (überbelichteten) Bildbereichen geschlagen. Selbst Lightroom war schlechter. Auch die Rauschfilter sind gut!
es kommt ohne Datenbank aus, was es für mich schneller macht. Auch die Presets sind mittlerweile klasse. Beim Öffnen des Bildes sieht es meistens schon sehr gut aus.

Rawtherapee V5

Habe ich ein Studioshooting zu bearbeiten, mit geschätzten 500 Fotos, so ist es sehr leicht in Rawtherapee an einem Bild die Grundeinstellungen (Weißableich, Tonwert, Kontraste usw.) einzustellen und dann auf die anderen 500 Bilder zu übertragen.

Die früheren Instabilitäten sind mittlerweile verbessert und das Programm läuft sehr gut auch bei großen Sammlungen.

Hier ein paar Beispielbilder der Version 4:

Öffnen des Raws in Rawtherapee 

Öffnen des Raws in Rawtherapee

Einstellen von Helligkeit und Kontrast in Rawtherapee

Einstellen von Helligkeit und Kontrast in Rawtherapee

Weißabgleich und Feinkorrekturen

Weißabgleich und Feinkorrekturen

 

3. Darktable ist der neue Star am Open Source Himmel. Ich weiß nicht ob es am Namen liegt, oder ob das Tool wirklich so gut ist :-)
Fakt ist, dass es sich in den letzten Jahren sehr verbessert hat und nun schon sehr ausgereift ist. Es ist definitiv das mächtigste Programm. DIe Einstellungsmöglichkeiten übertreffen, so wie ich es sehe alle kommerziellen Lösungen:

Der Leuchttisch und die "Dunkelkammer":

  

Ich finde es insgesamt etwas weniger intuitiv als Rawtherapee, was sicher an der Vielfalt an Funktionen liegt. Viele der Funktionen haben ihre Einstellungen sehr nahe am eigentlich dahinterliegenden Algorhithmus. Auch ein Filter für Lebendigkeit ist hinzugekommen. Er entspricht ungefähr dem Filter für "Dynamik"in LR, allerdings fehlt mir in Darktable noch ein FIlter für "Klarheit"!

Das Entwicklungstempo war in den letzten Jahren sehr hoch! Neue Tools, wie die Geolokalisierung und eine Verfeinerung der Einstellungen und Filter sind hinzugekommen.

Beispielbilder Darktable:

Öffnen eines Bildes in Darktable Anpassungen von Farbe, Kontrast und Helligkeit

Weitere Besonderheiten von Darktable sind die "Parametrischer Masken" mit verschiedenen Überblendmodi, eine sehr gut funktionierende GPU-Unterstützung, ein Scripting-API (Lua).

 

4. Rawstudio: Dieses Programm habe ich nie länger getestet. Seit 2014 gab es auch kaum noch updates. Vermutlich finden sich neben den anderen (besseren) Open-Source-Alternativen kaum noch Entwickler, die Rawstudio weiterentwickeln. Es hat aber gut funktioniert und machte seine Arbeit gut. So viele Einstellungen wie Darktable hat es nicht. Den Weißabgleich habe ich auch nicht auf Anhieb gefunden. Dafür fand ich hier die Grundeinstellungen von Anfang an sehr passend. Das Bild hatte sofort eine gute Schärfe und sah schon recht fertig aus!

Über dem zu beabeitenden Bild gibt es eine Bildergallerie und man hat rechts mit den Karteireitern die Möglichkeit verschiedene Versionen des Bildes zu erstellen und zu vergleichen.

raw in Rawstudio geöffnet

 raw in Rawstudio geöffnet

 

5. Es gibt auch für Linux kommerzielle Lösungen, wie früher Bibble, welches heute Corel AfterShot Pro heißt. Bibble hatte immer einen sehr guten Ruf unter Fotografen und ich denke, das diese Tradition fortgesetzt wird. Es handelt sich dabei aber nicht um freie Software! Mittlerweile gibt es Version 3 von Corel AfterShot Pro. Hier ist ein Testbericht für die Mac-Version

 

6. Zu erwähnen ist noch Canons beiliegende Software DPP. Sie läuft gut in Wine, wenn man den Programmordner aus einer bestehenden Woindowsinstallation kopiert. Eine Installation ist mit in Linux noch nicht gelungen. Der Installer scheint da das Problem zu sein. Mithilfe von winehq kann man dieses Problem aber für Version 3 und 4 lösen.

DPP ist schnell, unterstützt auch in Wine Multicores, hat gute Presets und Picstyles. Ich finde es auch sehr einfach, Einstellungen für viele Fotos gleichzeitig zu übernehmen. Dazu kommen Linsenkorrekturen, Korrekturen von chromatischen Abberationen und so manchem mehr! Wenn es schnell gehen soll, für mich immer noch die beste Alternative! Schwierige Photos bearbeite ich eher in Rawtherapee oder Darktable.

 

3. Weitere Schritte der Fotobearbeitung und Verwaltung unter Linux

Auf die folgenden Schritte möchte ich nicht im Detail hier eingehen. Zum Teil existieren schon eigene Artikel dazu. In Kürze:

- Fotos betrachten,weiter organisieren, auswählen oder in gimp öffnen: Geeqie oder gthumb

- Feinschliff, wie Hautreparatur, Clonen, Beautyretousche oder allen anderen Dingen erledige ich immer in Gimp.

- Wenn ich gelegentlich Fotos meines Handys drehen muss, bzw. Batchaufgaben habe, dann ist Gwenview oft das schnellste Tool.